
Angesichts der Unsicherheit an den Aktien- und Anleihenmärkten legen wir den Fokus weiterhin auf die langfristigen Fundamentaldaten und erstellen Portfolios, die sowohl den Turbulenzen trotzen als auch Renditen für Kunden erwirtschaften können
Zu Beginn des Jahres 2025 wurde nach dem Wahlsieg Donald Trumps mit einer starken Wirtschaftsentwicklung in den USA gerechnet. Gleichzeitig bestanden Sorgen über eine steigende Inflation. Für Europa wurde indes eine Fortsetzung des langsamen Wachstums erwartet. Die jüngsten Entwicklungen, die überwiegend auf die unterschiedlichen politischen Maßnahmen der USA zurückgehen, haben die globalen Finanzmärkte jedoch in Aufruhr versetzt und die Anlagelandschaft deutlich verändert.
Wesentliche Treiber der jüngsten Volatilität
In den USA hat die Schaffung des Department of Government Efficiency (DOGE), das die Ausgaben der Bundesregierung senken soll, erhebliche Auswirkungen auf die breitere US-Wirtschaft. Verbraucher, die ihre Arbeitsstellen als potenziell gefährdet erachten, senken allmählich ihre Ausgaben, und im 1. Quartal ist bereits eine Abschwächung einiger US-Wachstumsindikatoren zu beobachten.
Auf internationaler Ebene wurden die US-Zölle auf chinesische Waren zwar weitgehend erwartet, deren Umfang bleibt jedoch weiterhin ungewiss. Die Erhebung von Zöllen gegen Mexiko, Kanada und Europa, bei denen es sich traditionell um Verbündete der USA handelt, trägt indes zusätzlich zu den Unwägbarkeiten im Handel bei. Aufgrund dieser Zollunsicherheit zögern die Unternehmen mit ihren Investitionsentscheidungen und schieben diese auf, was die Konjunkturdynamik belastet. Dies kommt im jüngsten Anstieg des CBOE Volatility Index (VIX, Abbildung 1) zum Ausdruck, bei dem es sich um einen zukunftsgerichteten Index handelt, der die Erwartung des Marktes bezüglich der künftigen Volatilität misst.
Abbildung 1: Volatilität nimmt zu (VIX, 1 Jahr)
Quelle: Bloomberg, Stand: 12. März 2025.
Darüber hinaus haben die jüngsten außenpolitischen Entscheidungen der Regierung Trump – insbesondere das Treffen zwischen dem US-Präsidenten und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – für einen tiefgreifenden politischen Wandel in Europa gesorgt. Führende Politiker wie Friedrich Merz, der wahrscheinlich der nächste deutsche Bundeskanzler wird, verweisen auf die Notwendigkeit einer stärkeren Unabhängigkeit Europas. Die politischen Entscheidungsträger haben erhöhte Staatsausgaben, insbesondere für die Verteidigung, sowie eine allgemeinere fiskalische Expansion in Europa in Aussicht gestellt. Daher wird für Europa nun mit einem stärkeren Wachstum in den Jahren 2025 und 2026 gerechnet als zuvor.
Wesentliche Schwerpunktbereiche für Anleger
Angesichts all dieser Entwicklungen auf globaler Ebene stellt sich die Frage nach den Auswirkungen auf die Märkte und wo wir Risiken und Chancen erkennen.
Bislang kam es im Vormonat zu einem Rückgang des US-Aktienmarktes – der S&P 500 hat eine Korrektur verzeichnet, bei der er ausgehend von seinem jüngsten Hoch im Februar um mehr als 10% nachgeben hat. So konnte etwa der EURO STOXX 50 Index den S&P 500 seit Anfang Dezember 2024 um rund 15 Prozentpunkte1 hinter sich lassen.
Sollte die Schwäche in den USA Bestand haben, dürfte Trump jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach versuchen, dies rückgängig zu machen. Seine geplanten Ankündigungen zur Steuerpolitik könnten signifikante Auswirkungen auf die Marktstimmung haben, und obschon der aktuelle Abschwung die Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen geschürt hat, könnten potenzielle fiskalische Stimuli dem wieder entgegenwirken.
An den Anleihenmärkten sind die Renditen in Europa deutlich gestiegen, vor allem in den vergangenen sechs Wochen, was auf die Aussicht auf zusätzliche Ausgaben zurückzuführen ist. Dagegen sind die Renditen in den USA vor dem Hintergrund der rückläufigen Wachstumserwartungen gesunken. Diese transatlantischen Unterschiede sind nicht unbedingt üblich. Andernorts zeigen sich die Spreads von High-Grade-Anleihen stabil, während bonitätsschwächere Segmente wie Hochzinsanleihen mit Rating CCC allmählich Verluste hinnehmen müssen. Dies deutet auf eine zunehmende Divergenz zwischen Unternehmen mit starker und schwacher Bilanz hin.
Darüber hinaus hat das Wachstum in China entgegen der ursprünglichen Bedenken bislang nicht so stark unter den Zöllen gelitten wie zuvor angenommen. Zudem hat die Bereitschaft von Präsident Xi, mit dem Privatsektor zusammenzuarbeiten, die dessen wesentlicher Rolle für das Wirtschaftswachstum in China Rechnung trägt, die Märkte des Landes beflügelt. Diese Entwicklung unterstreicht, wie wichtig es ist, die geopolitischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft im Auge zu behalten.
Bewältigung der Volatilität
Es gibt vieles zu bedenken – insbesondere angesichts der Verflechtungen in der Weltwirtschaft und der unbeabsichtigten Folgen der „America First“-Strategie, die sich auf alle globalen Kapitalmärkte auswirken. Doch selbst in unsicheren Zeiten sollte der Blick für die Gewissheiten nicht verlorengehen.
Bei Columbia Threadneedle Investments legt das Global Fundamental Research Team, das sich aus Experten für fundierte Analysen zusammensetzt, den Fokus nun auf die Unterscheidung zwischen kurzfristigen Marktturbulenzen und fundamentalen wirtschaftlichen Veränderungen.
Was die Analyse von Unternehmen anbelangt, so ist ein Versuch, die US-Zollpolitik vorherzusagen, nichts anderes als Spekulation – legt man nun Zölle in Höhe von 25% zugrunde oder nicht, werden die Zölle in einer Woche eingeführt und in der nächsten bereits wieder zurückgezogen? Dies sorgt für Unsicherheit sowie dafür, dass Unternehmen potenzielle Investitionen aufgrund der Unwägbarkeiten bezüglich der Wirtschaftspolitik einfach aufschieben. Ebenso ist mit ziemlicher Gewissheit mit einem Rückgang der Staatsausgaben in den USA und dem Gegenteil in Europa zu rechnen, sodass wir diesbezügliche Analysen mit hohem Konfidenzniveau durchführen können.
Darin kommen die Bedeutung eines aktiven Managements sowie der Wert eines robusten, globalen Research-Teams zum Ausdruck, wenn es darum geht, die Gewissheiten von den rein hypothetischen Annahmen zu unterscheiden.
Wie wichtig es ist, engagiert zu bleiben
Anleger machen oft den Fehler zu versuchen, den Markt zu „timen“, indem sie ihre Engagements einfach veräußern. Es ist jedoch wichtig, die Perspektive zu wahren. Die aktuell zu beobachtende Korrektur sorgt zwar auf kurze Sicht für Verluste, ist aber nicht gerade ungewöhnlich – der langfristige Durchschnitt des VIX beträgt 20, per 12. März bewegte er sich bei 24 (Abbildung 2).
Abbildung 2: Volatilität in Relation (VIX, 2000-2025) Auf lange Sicht bewegt sich die Volatilität in der üblichen Spanne
Quelle: Bloomberg, Stand: 12. März 2025.
Die jüngsten Marktverwerfungen stellen überdies die 30. Korrektur um 5% oder mehr seit den während der globalen Finanzkrise verzeichneten Tiefstständen im März 2009 dar. Seither wurden jährliche Renditen von mehr als 14% verzeichnet. Das Gefüge wird sich zweifelsohne erneut verschieben. Aus historischer Sicht folgten auf Phasen mit einigen der stärksten kurzfristigen Marktschwankungen und -verluste Zeiträume, in denen sich die Märkte deutlich erholten. Daher besteht die reelle Gefahr, nicht an der anschließenden Hausse zu partizipieren (Abbildung 3).
Abbildung 3: Zeit am Markt ist besser als den Markt zu „timen“
Quelle: Columbia Management Investment Advisers, LLC und Bloomberg, Stand: 31. Dezember 2024. Wertentwicklungen der Vergangenheit sollten nicht als Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung aufgefasst werden. Der S&P 500 bildet die Wertentwicklung von 500 US-Large-Cap-Titeln ab, die in vielen Portfolios vertreten sind. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren.
Fazit
Während politische Unsicherheit oftmals für vorübergehende Verzerrungen an den Märkten sorgt, sollten Anleger nicht vergessen, dass die langfristigen Fundamentaldaten von Anlagen den zuverlässigsten Indikator für künftige Renditen darstellen. Wir bei Columbia Threadneedle verfolgen einen Research-basierten Ansatz, der uns in die Lage versetzt, über die Unwägbarkeiten hinwegzublicken und unsere Portfolios auf eine starke langfristige Wertentwicklung auszurichten. In einem Umfeld, in dem Ungewissheit nun die Norm darstellt, sollten sich Anleger disziplinierten aktiven Anlagestrategien zuwenden und verstärkt auf Research setzen, um Portfolios zusammenzustellen, die sich für alle Gegebenheiten eignen.